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Deutliche Senkung des Darmkrebsrisikos durch die Vorsorgekoloskopie

Für keine andere Tumorart ist eine derart effektive Vorsorgeuntersuchung etabliert, wie die Vorsorgekoloskopie beim Darmkrebs. Bereits 10 Jahre nach Einführung der Vorsorgedarmspiegelung als Kassenleistung ließ sich eine deutliche Senkung der Darmkrebssterblichkeit belegen. Das ist vor allem auf die konsequente Entfernung von Darmkrebsvorstufen (Polypen) im Rahmen der Darmspiegelung und der deutlich häufigeren Entdeckung von Darmkrebs in sehr frühen, gut heilbaren Stadien zurückzuführen.

 

Darmkrebs, eine häufige Erkrankung 

Darmkrebs (Kolorektales-Karzinom, KRK) gehört neben Lungen- und Prostatakrebs beim Mann sowie Brustkrebs bei der Frau zu den häufigsten Tumorarten und ist die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache in den westlichen Industrienationen.

Das Risiko, im Laufe des Lebens an Darmkrebs zu erkranken, beträgt aktuell ca. 6%. Konkret erkranken in der Bundesrepublik pro Jahr knapp 60000 Patienten an diesem Tumor, 30000 versterben an seinen Folgen.

Welche Risikofaktoren sind bekannt? 

Risikofaktor für das KRK ist vor allem eine Krebserkrankung des Darms bei nahen Verwandten (3-fach erhöhtes Risiko bei einem Verwandten 1. Grades; Eine weitere Potenzierung ist zu beobachten, wenn dieser sogenannte Indexpatient vor dem 45. Lebensjahr an einem KRK erkrankt ist). Darüber hinaus gibt es zahlreiche vererbte Erkrankungen, die zum Teil mit 100%-iger Sicherheit zur Entwicklung eines KRK führen. Diese „Syndrome“ machen aber glücklicherweise nur ca. 5% aller Darmkrebse aus. Letztlich haben auch Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) ein gegenüber der Normalbevölkerung erhöhtes Risiko für ein KRK, so dass auch für diese Patienten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden.

Darmkrebs tritt mit zunehmenden Lebensalter häufiger auf, das mittlere Lebensalter bei Diagnosestellung ist aktuell 63 Jahre, 93% der Patienten sind älter als 50.

Welche Möglichkeiten der Vorsorge gibt es? 

Für Vorsorgeuntersuchungen spielt eine biologische Eigenart des Darmkrebses eine sehr wichtige Rolle. Die allermeisten Karzinome des Darms entwickeln sich nämlich aus primär gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen. Man geht davon aus, dass es ca. 10 Jahre dauert bis aus diesen gutartigen Veränderungen ein bösartiger Tumor, mit der potentiellen Fähigkeit, Tochtergeschwülste abzusiedeln, wird. 

Neben allgemeinen Empfehlungen zur Risikoreduktion (Gewichtsreduktion auf Normalgewicht, körperliche Aktivität, Nikotinkarenz, wenig rotes Fleisch, viel Obst und Gemüse (5 Portionen am Tag), wird die Normalbevölkerung ab dem 50. Lebensjahr zu jährlichen Stuhluntersuchungen aufgefordert. Sowohl Polypen als auch die bösartigen Veränderungen haben eine erhöhte Blutungsneigung und dieses Blut wird mit den Testbriefchen nachgewiesen. 

Lange Zeit wurde eine Spiegelung des S-Darms (Sigmoidoskopie) alle 5 Jahre als ausreichend betrachtet und nur bei Auffälligkeiten wurde in einer weiteren Sitzung der gesamte Darm eingesehen. Heute weiß man aber, dass mit diesen Methoden sehr viele Karzinome der frühzeitigen Entdeckung entgehen.

Stellenwert der Vorsorgekoloskopie 

Heute ist es in zahlreichen großen Studien nachgewiesen, dass die Spiegelung des gesamten Dickdarms ab dem 55. Lebensjahr bis zu 90% der Karzinome verhindern oder in frühen und damit heilbaren Stadien entdecken kann. Neue Studien legen sogar einen Beginn der Untersuchung ab dem 50. Lebensjahr nahe (besonders für Männer steigt das Risiko bereits ab dem 50. Lebensjahr deutlich und eine entsprechende Änderung der Kostenübernahme bei Männern wird für die nächsten Monate/Jahre erwartet).

Für keine andere Krebsart ist eine derart effektive Früherkennungsmethode verfügbar. Bei einem unauffälligen Befund genügt eine erneute Koloskopie in 10 Jahren, sollten Polypen entdeckt und entfernt worden sein, wird ein Kontrollintervall von 3 Jahren empfohlen.

Die oben beschriebenen Alternativen Stuhltest und Sigmoidoskopie sind nach Durchführung einer Koloskopie überflüssig und sollten heute nur noch den Patienten vorbehalten sein, die aus unterschiedlichen Gründen keine komplette Darmspiegelung erhalten.

Anmerkungen zur Untersuchung

Vorbereitung und Ablauf der Untersuchung sind unter dem Button „Leistungen“ detaliert beschrieben. An dieser Stelle sei nur darauf hingewiesen, dass es sich bei der Koloskopie um eine sehr häufig durchgeführte, risikoarme Untersuchungsmethode handelt. Die meisten Patienten halten im Nachhinein die Vorbereitung mit der relativ großen Trinkmenge für den unangenehmsten Teil der Untersuchung. In besonderen Fällen gibt es auch hier Alternativen mit deutlich geringerer Flüssigkeitsmenge. 

Nahezu alle Untersuchungen werden von den Patienten nach Erhalt einer Spritze komplett verschlafen. In unserer Praxis steht ein entsprechender Aufwachraum mit Überwachungsmöglichkeit zur Verfügung. Der Patient darf danach aber 24 Stunden kein Fahrzeug führen oder wichtige Dokumente unterschreiben.

Gibt es Alternativen?

Aktuell wird viel über die sogenannte virtuelle Koloskopie berichtet, einem Verfahren, das ohne den „belastenden Schlauch“ auskommt. Hier ist aber darauf hinzuweisen, dass es sich hier um ein rein diagnostisches Verfahren handelt. Sollten Polypen entdeckt werden, was je nach Kollektiv in ca. 10% zu erwarten ist, würde sich doch eine Koloskopie anschließen müssen. Außerdem lassen sich flache Schleimhautveränderungen, die in letzter Zeit viel Beachtung in der Fachliteratur erhalten und auch bösartig entarten können, mit den radiologischen Verfahren nicht darstellen. Dasselbe gilt auch für sehr kleine Polypen.

Letztlich muss die nicht unbeträchtliche Strahlungsbelastung der virtuellen Koloskopie mittels Computertomographie und die genauso notwendige Vorbereitung Erwähnung finden. 

Zusammenfassend wird zum jetzigen Zeitpunkt die Darmspiegelung von allen entsprechenden Fachgesellschaften als Diagnostik der Wahl zur Vorsorge des Dickdarmkrebses empfohlen. 

Literatur

An dieser Stelle soll auf die entsprechende Fachliteratur verwiesen werden, hier nur einzelne spezielle Verweise.

  1. Manual Gastrointestinale Tumore, Tumorzentrum München, 2001 
  2. Leitlinien Kolorektales Karzinom, Zeitschrift für Gastroenterologie, 2004, 42: 1129-1177 
  3. Leitlinien der DGVS, dritte überarbeitete Auflage 2002, Seite 104 ff 
  4. Endoatlas.de, mit eindrucksvollen Bildmaterial 
  5. Praktische Gastroenterologie, P. Layer, 2004 
  6. Gastroenterologische Endoskopie, Classen, Tytgat u.a., 2004 

u.v.m.

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